In der Zeitschrift Öko-Test (Ausgabe 10/2007, S. 54) erschien ein Artikel unter dem Titel „Orthomolekulare Medizin“. Dieser Artikel ist leider voller Fehler und Ungenauigkeiten.
Auf diesbezügliche wiederholte freundliche Anfragen an den Herausgeber incl. der Vorlage evidenter Studien zur Orthomolekularen Medizin und der Bitte um Nennung der Quellen aus denen Öko-Test zitiert, erhielten wir keine Rückmeldung.

Wir stellen Ihnen deshalb hier die wichtigsten Falschdarstellungen aus dem Öko-Test und unsere Antworten dazu vor, um Ihnen zu ermöglichen, sich selbst ein objektives Bild zu machen

1. Öko-Test: „Nach Auffassung der orthomolekularen Medizin soll der Mensch auf die zusätzlich Einnahme bestimmter Nährstoffe angewiesen sein, um gesund zu bleiben“:
FOM: Der Mensch ist auf die Zufuhr von Mikronährstoffen angewiesen, da diese Stoffe „essentiell“ sind und ohne sie ein gesundes und vollwertiges Lebens nicht möglich ist. Allerdings wird meines Wissens nach nirgends behauptet, das dies zunächst in Form von irgendwelchen Präparaten erfolgen muss (leider werden keine Quellen angegeben). Die Basis der OM sind eine gesunde und optimierte Ernährung und ein gesunder Lebensstil (das fordern wir stets und überall!). Nur wenn diese Ernährungsform nicht möglich ist (z.B. infolge Fehlernährung), bzw. die Ernährung den Bedarf nicht deckt (z.B. auf Grund eines unnatürlichen Lebensstils), wird unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Supplementierung mit Präparaten in „angepasster Dosierung“ geraten. Diese Aussagen gehen voll konform mit den Forderungen der DGE (dort nachzulesen).
Übrigens: Wie bei allen schulmedizinischen und naturheilkundlichen Therapien bzw. bei der Einnahme von pharmakologisch wirksamen Substanzen (in höherer Dosierung) kann es natürlich auch in der OM zu Nebenwirkungen kommen, insbesondere dann, wenn sie in falscher Dosierung von nicht entsprechend ausgebildeten Menschen bei der falschen Indikation gegeben werden (man muss sich bewusst machen, dass z.B. Insulin so eingesetzt, tödlich sein kann oder dass Antibiotika oder Chemotherpaeutika schwerste Nebenwirkungen haben können).
Um Fehlentwicklungen vorzubeugen, lehnen wir daher auch die unkontrollierte Abgabe von Präparaten mit Mikronährstoffen ab.

2. Öko-Test: „Geringe positive Effekte bei leichten Erkrankungen nachgewiesen….“ und „jedoch keine einzige anerkannte Studie, die einen positiven Effekt bei gesunden Menschen zeigt …“ und „keine krankheits- oder krebsvorbeugenden Effekte nachgewiesen“:
FOM: Auch diese Aussagen sind nicht richtig. Es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen entsprechend der EBM (Evidence based medicine, d.h .doppelblind, randomisiert und placebokontrolliert) für viele Indikationen in der Prävention und der Therapie (auch bei schweren Krankheiten und auch bei Krankheiten, für die es in der klassischen Schulmedizin kaum nebenwirkungsarme und Erfolg versprechende Therapien gibt), die einen „signifikanten“ Nutzen der OM nachweisen.

3. Öko-Test: „Behauptung …das sogar eine ausgewogene, frische und gesunde Ernährung zu bestimmten Nährstoffmangelzuständen führen soll …“
FOM: Woher hat Öko-Test diese Aussagen (es finden sich keine Angaben zur Quelle)? Wie lehnen diese Aussage ab. Wir kennen keinen engagierten und ausgebildeten OM-Therapeuten, der so etwas behauptet.

Zusammenfassend läßt sich sagen:
Orthomolekulare Medizin ist zunächst die theoretische und praktische Lehre über Mikronährstoffe und deren Wertigkeit in Prävention und Therapie von Krankheiten. Sie muss u.a. das Bewusstsein dafür fördern, dass Mikronährstoffe nicht unbedenklich in unkontrollierten Mengen aufgenommen oder empfohlen werden dürfen, da sie pharmakologische Wirkungen besitzen und eine Überdosierung zu Nebenwirkungen oder gar zu Intoxikationen führen kann. Die Basis der Orthomolekularen Medizin stellt - insbesondere in der Prävention - die Optimierung einer natürlichen Ernährung dar.
Die Tätigkeit des Therapeuten in diesem Bereich der Medizin erfordert Verständnis, ein umfangreiches Wissen (z.B. in Biochemie und Physiologie) sowie verantwortungsvollen Umgang mit Mikronährstoffen. Dieses Wissen ist üblicherweise bei Medizinern, Apothekern und Heilpraktikern bisher kaum vorhanden und müsste daher in einer entsprechenden Ausbildung erlernt werden. Die Ausbildung ist aufwendig und die Abschlussprüfung stellt hohe Anforderungen an den Auszubildenden.
Orthomolekulare Medizin ist übrigens nicht die Lehre über Multivitaminkomplexe und Nahrungsergänzungsmittel sowie deren Verkauf (genau so wie andere schulmedizinische oder naturheilkundliche Richtungen nicht primär die Lehre von Arzneimitteln sowie deren Verkauf sein sollten!).





  • Stellungnahme zu Focus-Artikel \
  • von Dr.med. Udo Böhm
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